Familienmedizin aktuell – 1. Ausgabe 2015

Was sind die Ursachen von Erschöpfungssyndromen (auch Managererkrankung genannt) und was jeder für sich dagegen tun kann…

Wir haben seit unserem letzten Beitrag vom Dezember, Sie erinnern sich „der kranke Manager unterm Weihnachtsbaum“, viele Rückfragen zu den Themenbereichen „Burn out- Erschöpfungs-syndrom- Managererkrankung“ bekommen.
In dieser Sitzung wollen wir etwas weitergehen und die Möglichkeiten zur Prävention besprechen, dazu bleiben wir bei unserem kleinen illustren Beispiel unseres Managers, wir nennen ihn einfach mal Herrn M.

Managerkrankheit: Wenn Stress ins Auge geht

 

gestresster ManagerPhotoquelle Homepage lifeline - das Gesundheitsportal
M. fühlt sich also schon seit langem und jetzt in den letzten Wochen, also insbesondere kürzlich sehr abgeschlagen, müde, antriebslos. Er hat seine „alte Arbeit an den Nagel gehängt“, da er hier schon seit längerer Zeit das Gefühl habe, dass sprichwörtlich „die Luft raus" sei- also lautet die Devise- berufliche Neuorientierung

Die letzten Jobs haben M. immer 2-3 Jahre beschäftigt, dann war wieder Sackgasse in der beruflichen Entwicklung, seine kurzen Engagements haben ihn immer sehr gestresst, frustriert und deutliche „Spuren“ hinterlassen. Da er sich bisher nie richtig durchsetzen konnte,  versucht er jetzt was Langfristiges „an den Start“ zu bringen, auch wenn er dabei zunächst wieder etwas „kleinere Brötchen“ backen muss als zuvor. So weit so gut- wäre, ja wäre da nicht sein Umfeld, was an ihn ganz besondere Ansprüche stellt. Was denken die Freunde und Nachbarn, wenn aus der Limousine ein Mittelklassewagen der 2. oder 3. Wahl wird und was erst wenn er nur noch 1x nach Mallorca reisen könne und nicht wie sonst gewohnt 2-3x/Jahr- ihm wird schon ganz „mulmig“ bei dem Gedanken den höhnenden und lachenden Nachbarn zu hören, M. kommt dabei erheblich ins Grübeln…

Das Beispiel zeigt uns sehr gut, den typischen Verlauf einer „burn out“ Situation, die in ein „Erschöpfungssyndrom“ oder auch Managererkrankung einmünden kann. Dazu ist es wichtig, diese beiden Erkrankungen auseinander zu halten. Wikipedia definiert das folgendermaßen:

Burn out (engl. burn out ‚ausbrennen‘) bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt (Definition- Quelle Wikipedia- Stand 27.12.2014).

Chronische Erschöpfungssyndrom (englisch chronic fatigue syndrome, CFS) ist eine chronische und bisher unheilbare Krankheit, die auch als Myalgische Enzephalomyelitis bezeichnet wird. Sie ist charakterisiert durch eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung bzw. Erschöpfbarkeit sowie durch eine spezifische Kombination weiterer Symptome. Dazu gehören neben der chronischen Erschöpfung unter anderem Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Atemnot, nicht erholsamer Schlaf, Empfindlichkeiten der Lymphknoten sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustands nach Anstrengungen (Definition- Quelle Wikipedia- Stand 27.12.2014).

Bisher war die Diagnosestellung nur anhand von Symptomen möglich, es gibt jedoch erste Hinweise, dass der Gehirnstoffwechsel bei Patienten mit Erschöpfungssyndrom verändert ist. Hierzu geben MRT Untersuchungen des Gehirns von Betroffenen erste Hinweise, diese müssen in den nächsten Jahren jedoch weiter untersucht werden, um endgültig Gewissheit zu bekommen. Diese zeigen, dass bei Patienten mit Managererkrankung die Konzentration an Botenstoffen sog. Neurotransmittern im Gehirn deutlich reduziert ist und auch substantiell die verbindenden Nervenstränge zwischen den Hirnarealen (siehe blaue und rote Nerven-Stränge in Abbildung 1) anders aussehen als bei Gesunden. Möglicherweise können diese bereits als Vorboten von neuro- und neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer angesehen werden.

GehirnAbbildung-1 Quelle:
Michael Zeineh (Stanford University Medical Center) et al., Radiology

Der Ausbruch aus der oben beschriebenen wirtschaftlichen und sozialen „Tretmühle“ ist häufig nicht so einfach und demonstriert sehr gut, dass nicht nur Anteile sondern der ganze Lebensstil verändert werden muss, damit etwas passieren kann.

Wir können Sie nur dazu motivieren, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und ihr Leben „umzukrempeln“, dazu ist es nie zu spät. Bauen Sie dazu Phasen körperlicher Bewegung in ihr Leben ein, ½ bis 1 Stunde tgl. körperlicher Bewegung am Arbeitspuls, mind. 6 Stunden Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sollen Ihnen dabei helfen. Ergänzend leichtes Krafttraining (2x/Woche) soll dabei ihre allgemeine körperliche Fitness verbessern und im Alter verhindern, dass sich Muskulatur abbaut. Dabei sind es im Training insbesondere die Wiederholungen der Übungen mit kleinen Gewichten, welche Fitness aufbauen und den Kreislauf nicht zu sehr belasten, als das ungesunde wegpumpen von großen Gewichten, um mit dem großen „Biceps prahlen zu können“.

Zu den Phasen der körperlichen Bewegung zählt übrigens auch langsames Spazierengehen oder auch Nordic walking- probieren Sie es aus- es wirkt… 

Körperliche Aktivität

  • Verringert langfristig das Körpergewicht
  • Schützt vor Blutzuckererkrankung/Bluthochdruck und Depression
  • Senkt den Blutdruck und das Cholesterin und schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Und macht viel gute Laune und Spaß…

Suchen Sie an Ihrem Arbeitsplatz die offene Konversation mit ihren Vorgesetzten und der Personalvertretung, berichten Sie von ihren Plänen, sollten sich hier keine Möglichkeiten ergeben, dann bleibt ihnen immer noch die Möglichkeit zum beruflichen Wechsel. Auch ihr Betrieb fördert wahrscheinlich den Betriebssport, so dass der Besuch im Fitnesscenter erschwinglich wird.
Nutzen Sie zuvor die Möglichkeit sich alle 2 Jahre von uns „durchchecken“ zu lassen und die Gesundheitsuntersuchung in Anspruch zu nehmen, wir begleiten Sie gern auf dem Weg hin zu mehr Bewegung und körperlicher Fitness. Gern bestimmen wir gemeinsam mit Ihnen auf dem Fahrrad ihre persönlich Belastungsgrenze und den idealen Bereich des Arbeitspulses.

Wir wünschen Ihnen einen guten und aktiven Start ins Jahr 2015,
Ihr Ärzteteam im Gesundheitszentrum Scheunebergstrasse Dr. Spiekermann & Partner GbR

„Der beste Schutz gegen die Managerkrankheit ist eine gute Sekretärin“
Zitat von Ferdinand Sauerbruch, gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Ärzte des 20. Jahrhunderts